Erwähnenswert sind die Dimensionen der Stahlbeton-Fertigteile,
aus denen der Entlastungskanal hergestellt wurde. Es handelt sich
um 3 m breite, 1,75 m hohe, 3 m lange und bis zu 20 t schwere
Sonderanfertigungen im Rechteckprofil, die nach Qualitätsrichtlinien
der Fachvereinigung Betonrohre und Stahlbetonrohre e. V. (FBS)
gefertigt wurden. Hersteller ist die Georg Röpe Baustoff
& Betonwerk GmbH & Co.KG, die mit der speziellen Bauform
ein modulares Rohrsystem entwickelt hat, das aufgrund seines hohen
Qualitätsstandards und seiner technischen Möglichkeiten
international eingesetzt werden kann.
Ein besonderes Merkmal stellen die diversen Rohrverbindungen
dar: Sie sind gegen Undichtigkeiten beim Auftreten von Scherlasten
gesichert. Spitzendmaß, Muffeninnenmaß, Muffenspalt/Schulterspalt
und Toleranzen sind untereinander abgestimmt und berechnet. Ein
Kontakt zwischen Beton und Beton in der Verbindung ist ausgeschlossen.
„Der Entlastungskanal des Regenüberlaufbeckens
ersetzt in weiten Teilen den historischen Mausakanal“, erläutert
der verantwortliche Planer, Dipl.-Ing. Thomas Gärtitz, IPN
Ingenieur Planung Naumburg GmbH. „Der Mausakanal wurde –
wo es möglich war – in das neue Regenüberlaufbauwerk
integriert. Die anderen Abschnitte werden aus statischen Gründen
abgerissen.“ Die konsequente Umsetzung des Regenwasserkonzeptes
für die Stadt Naumburg machte den Bau eines Regenüberlaufbeckens
in der Roßbacher Straße dringend erforderlich. „In
Zukunft sollen die bei Starkregenereignissen anfallenden Wassermengen
der Kösener Straße, des Ziegelgrabens, des Flemminger
Weges, der Jenaerstraße und des Buchholzgrabens aufgefangen
und unbedenklich belastetes Regenwasser zur Entlastung des Kanalnetzes
über ein Grabensystem abgeleitet werden“, erklärt
Dipl. Ing. Steffi Pastuschek, Abwasserentsorgungs GmbH Naumburg.
„Die Umweltgesetze in Deutschland stellen an den Reinigungsgrad
des so abgeleiteten Abwassers hohe Anforderungen, die unter strengen
Auflagen zeitnah zu erfüllen sind“, so Pastuschek weiter.
„Der Abwasserzweckverband hat sich daher für ein Regenrückhaltesystem
entschieden, das unter Einbeziehung des Mausakanals in der Roßbacher
Straße und eines neu zu errichtenden Beckens am Moritzplatz
zukünftig diesen Auflagen gerecht wird.“
Erstellt wurde das Bauwerk aus Stahlbetonprofilen
von Röpe. Der Auftraggeber hat sich aus mehreren Gründen
für die Sonderprofile entschieden. „Die Profile können
eine statische Belastung bis 60 t bei einer Überdeckung von
0,5 m aufnehmen“, so Gärtitz, „Sie besitzen ein
Scherlastübertragungselement, welches einen umlaufend gleich
bleibenden Muffenspalt gewährleistet, wodurch ein ebenfalls
gleich bleibender definierter Druck auf die Dichtung ausgeübt
wird. „Ebenso wichtig: Die Bauteile erfüllen alle zugehörigen
Rohrnormen und alle Bedingungen der FBS-Qualitätsrichtlinie,
insbesondere Teil 1, Pkt. 4.4 und 5 sowie Teil 3, Pkt. 3.4. Darüber
hinaus entsprechen Profile und Verbindungen den Anforderungen
FBS Teil 1, Pkt. 5.4.2.1.2 für Wassergewinnungsgebiete der
Schutzzone II.
Produktion im Baukastenprinzig
Das Konzept für die Herstellung der Rechteckquerschnitte
beruht auf einem Multifunktionssystem von Formen für verschiedenste
Rahmenabmessungen und Wanddicken sowie den unterschiedlichsten
Verbindung und Dichtungen. Bereits 2001 brachte Röpe Rohre
mit Rechteckquerschnitt auf den Markt. „Wir wollten ein
Produkt mit einer mindestens gleichwertigen oder besseren Qualität
als bei vergleichbaren Rohren entwickeln“, erläutert
Dipl.-Ing. Klaus Peter Suckau, Leiter technischer Vertrieb/Entwicklung,
Georg Röpe Baustoff & Betonwerk GmbH & Co.KG, die
ehemaligen Zielvorgaben. Neben einer hochwertigen Betonqualität
ging es vor allem darum, die Abdichtung der Teile untereinander
mit einer leistungsstarken Verbindung sicherzustellen. „Damit
sollte der Einsatzbereich der Rechteckquerschnitte bei gleichzeitig
kurzen Lieferzeiten deutlich erhöht werden“, so Suckau
weiter. Die Produktion erfolgt im Modulsystem. Die Hauptmaße
folgen einem Raster von 250 mm, die Wanddicken einem Raster von
50 mm (Min. 200 mm bis max. 350 mm). Zwischenabmessungen sind
als Sonderausführung realisierbar. Die kleinsten lichten
Weiten betragen zurzeit 1000 mm x 1000 mm. Die Standardbaulänge
beträgt 3,0 m. Auch hier sind Sondergrößen realisierbar.
Die größten lichten Weiten sind abhängig von den
zugelassenen Transportmaßen auf Straßen und Autobahnen.
Bemerkenswert sind die Verbindungen der Elemente untereinander.
„Für die gleiche Fügung können unterschiedliche
Dichtsysteme verwendet werden“, erklärt Suckau. „Hierzu
zählen zum Beispiel normale Keilgleitringe, Dichtungen mit
Gleitmantel(Schmiermantel), Dichtungen mit Scherlastlappen oder
prüfbare und sanierbare Doppeldichtungen.“
Leistungsstarkes Dichtungssystem
Das Besondere: Alle Dichtsysteme verfügen über einen
Scherlastbegrenzer bzw. ein Scherlastauflager. Der Scherlastbegrenzer
liegt auf der Stützschulter vor der Dichtung. Die Dichtung
innerhalb der Verbindung besteht aus einem weichen Werkstoff,
der ausweichen kann. Bei Querbewegungen im Gefüge ohne Scherlastbegrenzer
kann das zu Undichtigkeiten führen. Mit der Einhaltung der
Anforderungen des US-Standards ASTM C 361M, der eine Übertragung
der Querkraft über die Hauptdichtung verbietet, hat Röpe
eine praktikable Lösung realisiert. Der Scherlastbegrenzer
verfügt noch über eine zweite wichtig Funktion. Bei
Querbewegungen im Gefüge wird das Gummilager gepresst, wobei
es die Lastverteilung bei Übertragung der Querkräfte
übernimmt. Dadurch wird der Kontakt Beton auf Beton ausgeschlossen.
„Ein Umstand, der zu einer außergewöhnlich hohen
Bruchsicherheit von Muffe und Spitzende führt“, so
Suckau. „Sie Sicherheit des Elements, insbesondere der Verbindung
wird dadurch wesentlich verbessert.“
Das Einsatzspektrum der Rechteckquerschnitte ist
vielfältiger als das herkömmlicher Rohre. Klassifiziert
nach Verlege- und Einbauverfahren sowie nach den Betriebsverhältnissen
sind eine Verlegung im offenen Graben, die Verlegung auf Pfählen,
im Bogen, im Vorschubverfahren oder im Stollen möglich. Das
Leistungsvermögen des Rechteckprofils hat den Auftraggeber
überzeugt. Der nächste Bauabschnitt des RÜB Roßbacher
Straße, der Neubau des Mausakanal/Fangbecken 3. BA, Los
3, wird ebenfalls mit dem Sonderbauwerk von Röpe ausgeführt.